Lübecker Nachrichten vom 27.09.2005:



Schönheitskur für das Schloss Ahrensburg

Ahrensburg - Rund um das Schloss Ahrensburg soll es wieder richtig schön werden. Gutachter Jörgen
Ringenberg hat das Gelände unter die Lupe genommen und viele Ideen, wie es seinen alten Charakter
zurückbekommen könnte.

Die großen Straßen kratzen mit Lärm und Gestank an der Schönheit des kulturhistorischen Juwels der Stadt Ahrensburg. Direkt am Schloss verschränken sich Ostring und Lübecker Straße zu einer riesigen Kreuzung, an der viele Autos bremsen und losbrausen. Der Schlosspark daneben wirkt vernachlässigt, ist menschenleer. Doch nun soll es hier wieder richtig schön werden. Fast wie in längst vergessenen Zeiten. Bürgermeisterin Ursula Pepper hat schon mal ein Konzept, wenigstens den Schwerlastverkehr umzuleiten. "Die Umgehung der B 75 soll verlängert werden", sagt sie. Geplant sei, eine Entlastungsstraße am neuen Gewerbegebiet Beimoor-Süd beginnen zu lassen und weiter nördlich an die Lübecker Straße wieder anzuknüpfen.

Der vom Verkehr entlastete Schlossbereich soll aufgewertet werden. Das sei für die Vermarktung der Stadt Ahrensburg sehr wichtig. Dazu wurde ein Gutachten für 25 000 Euro in Auftrag gegeben, das die

Entwicklungsperspektiven für den Landschaftsraum rund um das Schloss untersucht. Jörgen Ringenberg vom Planungsbüro EGL aus Hamburg präsentierte nun die Ergebnisse im Kellersaal des Schlosses. Sein Gutachten stützt sich auf die historischen Phasen rund um die noch vorhandenen Gebäude wie Marstall, Reithalle, Schlossbrücke, Bagatelle und das Schloss selbst. Das Herrenhaus wurde 1578-1585 durch Peter Rantzau gebaut und blieb bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Familienbesitz. Dann wurde das Areal 1759 von Heinrich Carl Schimmelmann gekauft und erstmals umgestaltet. Die Schimmelmanns waren Eigentümer bis Anfang 1930. Es gab einen heute überbauten Renaissancegarten und einen später verschwundenen Barockgarten. Ein Torhaus direkt hinter der Schlossbrücke wurde erst 1960 wegen Baufälligkeit abgerissen. Noch um 1850 prägte eine eher ländliche Szenerie den Bereich südlich des Schlosses, wo eine schmale Bauernbrücke die Aue überquerte. Sie wurde erst nach dem Krieg durch eine Betonbrücke für die Lübecker Straße ersetzt, die verkehrsgünstig auf einem drei Meter hohen Damm errichtet wurde. Seitdem ist der freie Landschaftsbereich vom Schlosspark abgeschnitten. "Der Rückbau des Dammes hat oberste Priorität", sagt Landschaftsarchitekt Jörgen Ringenberg. Mit einer schmaleren, tiefer liegenden Straße könne der ländliche Charakter und alte Sichtachsen wiederhergestellt

werden. Auch die Schlossgräben aus der Renaissance hatten eine wechselvolle Geschichte: Der innere Schlossgraben wurde im Barock entfernt und später neu ausgehoben. Eine separate Insel neben der Schlossinsel wurde erst nach dem Krieg zugeschüttet und könne jetzt wieder angelegt werden.

Eine Idee, die Ahrensburgs Bürgermeisterin Ursula Pepper richtig gut gefällt: "Die Insel eignet sich besonders gut als geschlossener Veranstaltungsraum. Eine Freilichtbühne dort wäre in Schleswig-Holstein einzigartig." Zur Not könnten auch die Straßen während einer Theatervorstellung abgesperrt werden.

ln-online/lokales vom 27.09.2005 01:00